
Tiere können nicht für sich selbst sprechen.
Und deshalb ist es so wichtig,
dass wir als Menschen unsere Stimme für sie erheben und
uns für sie einsetzen.
Gillian Anderson
Als hätten kleine Tiere k(l)eine Ansprüche ...
... die häufigsten Missverständnisse in der Haltung und ihre meist fatalen Folgen
Kaninchen und Meerschweinchen werden oft als unkomplizierte, pflegeleichte, lebendige Kuscheltiere für Kinder angepriesen; sie beißen angeblich nie und fühlen sich in der kleinsten Hütte wohl.
Seien Sie versichert, dass dem nicht so ist.
Es handelt sich weder um Schmuse-, Kuschel-, Schönwetter-, geschweige denn Wegwerf-Tiere, für die man nur ab und zu Zeit benötigt. Es handelt sich bei allen Tieren um Lebewesen mit arteigenen Bedürfnissen. Leider werden diese sehr häufig unterschätzt.
Kleine Heimtiere, die zuvor in örtlichen Zoohandlungen und Gartenbaumärkten gekauft wurden, werden ihren Besitzern schnell überdrüssig. Probleme in der Haltung, überforderung, Zeitmangel, Desinteresse oder Allergien sind die häufigsten Gründe, weshalb die Tiere im Tierheim landen oder schlimmstenfalls ausgesetzt werden. Dabei ist ein Großteil der Tiere 2 Jahre und jünger, hat also noch nicht einmal ein Drittel der zu erwartenden Lebenszeit erreicht.
Wir müssen davon ausgehen, dass keine oder nur unzureichende Beratung stattfindet.
Wie sonst ist es zu erklären, dass etliche Besitzer z. B. das Geschlecht ihrer Tiere nicht kennen bzw. nicht
bestimmen können oder nicht wissen, daß ein Männchen unbedingt kastriert werden muß, um Nachwuchs zu vermeiden?
Nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr anspruchsvolle Tierarten und gehören nur in fachkundige Hände.
Bitte informieren Sie sich vor der Anschaffung eines Käfigtieres gründlich und lassen Sie sich beraten. Unüberlegte, spontane Entscheidungen und mangelndes Wissen sind keine gute Basis für eine glückliche Mensch-Tier-Beziehung. Aus mancher Haltung wird im Laufe der Zeit eine sog. Duldungshaltung, d. h. der Lebensraum der Tiere entfernt sich mehr und mehr von dem der Menschen. Und so manches Kaninchen oder Meerschweinchen findet sich plötzlich zwischen allerlei Gerümpel in der tristen Kellerecke oder im hintersten Gartenwinkel wieder, in der es zu tödlicher Langeweile verdammt ist.
Etliche Kaninchen und Meerschweinchen führen so ein bedauernswertes Dasein, ehe sie frühzeitig klaglos sterben oder eingeschläfert werden müssen. Dies ist leider eine traurige Tatsache.
Die häufigsten Missverständnisse
- "Bitte bekomm ich ein Meerschweinchen? Das ist so süss...."
Am Anfang steht ein großer Kinderwunsch - am Ende oft ein lästig gewordenes, vernachlässigtes Tier.
Häufig werden Kaninchen/Meerschweinchen angeschafft, weil Kinder sich das sehnlichst wünschen. Auch wenn Kinder immer wieder beteuern, alleine für das Tier sorgen zu können, so tun sie das in
ihrem kindlichen Übereifer und ohne Wissen, was es im Alltag bedeutet, ein Tier zu halten und tagein, tagaus die gleichen - auch unangenehmen - Arbeiten zu verrichten über viele Jahre
hinweg.
Unzweifelhaft ist es von Vorteil, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen.
Bei richtiger Anleitung durch die Eltern lernen sie so für ein Lebewesen Verantwortung zu tragen. Sie lernen, andere zu respektieren und Rücksicht auf deren
Eigenheiten und Bedürfnisse zu nehmen. Das aber geht nur zur beiderseitigen Zufriedenheit, wenn die Eltern ihre Kinder in der Tierhaltung und Pflege unterstützen und selbst Erfahrungen mit der
Tierart haben.
Aus diesen Gründen sollten vor allem die Eltern oder mindestens ein Elternteil selber große Freude an diesen Tieren haben und voll und ganz hinter ihrer Anschaffung stehen. Wie schnell Kleintiere für
Kinder langweilig werden, ist allen Tierschützern bekannt.
- "Leider kann ich nur ein Käfigtier halten, ich habe nicht genug Platz und ist mir zuviel Arbeit"
Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr gesellige Tiere, die naturgemäß in Familienverbänden leben und zudem einen großen Lebensraum benötigen.
Ein einzeln gehaltenes Tier leidet extrem an Einsamkeit.
Der Mensch oder ein artfremder Partner können nicht den lebensnotwendigen Sozialkontakt bieten. Daraus ergibt sich, daß eine Einzeltierhaltung nicht artgerecht ist. "zuviel Arbeit" ist nicht die günstigste Basis, sich überhaupt ein Tier anzuschaffen - Tiere sind eine Bereicherung und keine Arbeit.
Gerade Kaninchen können schnell stubenrein werden und ob ich das Gehege nun für ein oder für zwei Tiere säubere, macht definitiv keinen Unterschied...
- "Mein Kaninchen findet seinen Meerschweinchenfreund ganz toll und mag keine Artgenossen"
Auch heute noch empfehlen manche Tierhandlungen wie auch Tierärzte diese Kombination.
Sie ist grundsätzlich zu vermeiden. Kaninchen und Meerschweinchen sind beide soziale Tiere, die einen Gefährten der eigenen Art brauchen. Jedes dieser Tiere verfügt über eigene Ausdrucks- und Verhaltensweisen, die nur vom Artgenossen richtig verstanden werden. Bestenfalls dulden sie sich und lenken so von ihrer Einsamkeit ab: sie sind zwar nicht ganz allein, aber dennoch einsam!
Es entsteht eine Zweckgemeinschaft, der sie sich nicht entziehen können.
Sehr häufig unterdrückt das stärkere Kaninchen das Meerschweinchen. Kaninchen neigen bei Unstimmigkeiten zum sog. Boxen mit den Vorderläufen, was bei Meerschweinchen zu Rippenbrüchen führen kann.
Diese Situationen, wie auch das ständige Besteigen bedeuten jeweils Verletzungsgefahr und Dauerstress.
- "Der Käfig ist groß genug"
Die herkömmliche Art der Kleintierhaltung, wie sie leider allzu oft praktiziert wird, einzeln und in viel zu kleinen Käfigen bzw. Ställen, ohne Bewegungsmöglichkeit, Abwechslung und Kontakt zu Artgenossen, entspricht keinesfalls den natürlichen Bedürfnissen der Tiere.
Kaninchen wie auch Meerschweinchen möchten sich am liebsten immer frei bewegen und beschäftigen können und brauchen dazu einen großen, abwechslungsreich gestalteten Lebensraum. Obwohl Kaninchen und Meerschweinchen Gruppentiere sind, beginnen sie zu streiten, wenn sie in den herkömmlichen Käfigen und Ställen leben müssen. Nicht etwa wegen Anpassungsschwierigkeiten, sondern aufgrund der beengten Haltungsbedingungen und der ständigen Unterforderung. Handelsübliche 1m Käfige und Ställe sind für unsere Heimtiere, die bis zu 10 Jahre alt werden können, völlig inakzeptable Lebensräume.
Leider gibt es kaum Fachgeschäfte, die tiergerechte Ausläufe anbieten. So werden diese Tiere aus kommerziellen Gründen immer wieder einzeln oder zusammen mit einem Meerschweinchen verkauft. Es liegt am verantwortungsbewußten Tierbesitzer, sich zu dieser Problematik Gedanken zu machen und entsprechend zu handeln.
- ”Unser Kaninchen/Meerschweinchen bekommt Auslauf bei
- schönem Wetter,
- wenn wir Zeit haben,
- wenn es sich ergibt,
- im Winter nicht ...”
Kaninchen und Meerschweinchen sind keine Schönwetter-Tiere, die bei schlechtem Wetter nur im Käfig oder Stall sitzen wollen. In unseren Breitengraden überwiegen die Schlechtwetterphasen.
Unzählige Kaninchen und Meerschweinchen, die in Außenställen gehalten werden, bekommen über viele Monate (= Lebensmonate) überhaupt keinen Auslauf. Das Bedürfnis nach Bewegung und Beschäftigung wird ihnen ersatzlos gestrichen, weil die Möglichkeiten nicht gegeben sind.
Diese Tiere sitzen ihre Zeit buchstäblich ab. Keinesfalls zu empfehlen ist, die Tiere von draußen vorübergehend nach drinnen in beheizte Wohnräume zu bringen.
Es droht ein Klimaschock aufgrund der großen Temperaturunterschiede und die Erkältungsgefahr steigt.
Und was hat ein Kaninchen/Meerschweinchen wirklich davon, wenn es eine Stunde am Tag in unserem Wohnzimmer oder auf blankem Boden im Keller oder in der Garage herumspringen darf, wenn es anschließend wieder in die Tristesse geschickt wird?
Viel sinnvoller ist es, diesen Tieren drinnen oder draußen einen adäquaten Lebensraum zu schaffen, die sie von Wind und Wetter und vorallem von der Lust und Zeit der Menschen unabhängig macht.
Artgerechte Kleintierhaltung
Was ist denn nun "artgerecht" ??
Mit dieser kleinen Bildergalerie möchten wir Sie inspirieren:
Die Bildergalerie benötigt mindestens Flash-Version 9.0.28!
Bitte installieren Sie den aktuellen FlashPlayer.
Kleintiervermittlung & Tierschutz München



